Konzept

Der Freitaler ist ein regionales Zahlungsmittel für langfristige Projektförderung und Mikrofinanzierung von gemeinwohl- orientierten Unternehmern sowie Existenzgründern.


Freitaler – was ist das?

Projektförderung | Schenken

Gute Ideen sind zahlreich. Ausgefuchste Projekte dagegen selten. Der Weg von der rohen Idee bis zum reifen Projekt verläuft oftmals mühsam und zäh. Unkonventionelle Ideen scheitern häufig bei der Umsetzung an der finanziellen Förderung. Ein gelungenes Projekt gedeiht in Phasen. Erfolg braucht Zeit. Woran es mangelt, ist wie so oft das Geld.

Der Freitaler bietet kreativen Enthusiasten aus den Bereichen Ökologie, Kultur, Soziales und Wissenschaft ein einfaches Werkzeug um Projekte unabhängig von Dritten zu finanzieren. Im Unterschied zu klassischen Plattformen für Crowdfunding wie kickstarter.com, startnext.de oder flattr.com geht es nicht um die Gunst fremder Geldgeber oder Spender. Es sind vor allem Menschen in unmittelbarer Nähe zum eigenen Projekt, die mit dem Freitaler Berge versetzen können: Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen, die eigenen Mitglieder des Vereins oder die Eltern einer Schule.

Das Prinzip dahinter ist verblüffend einfach: Ich tue Gutes für mich, indem ich anderen Gutes tue. Mit anderen Worten: Ich fördere mein Projekt, indem ich und die Unterstützer meines Projektes die Einkäufe gezielt bei ausgewählten regionalen Unternehmen tätigen. Für den Beschicker auf dem Wochenmarkt, den Bioladen an der Ecke oder das junge Café bin ich ein neuer Kunde. Mein Einkauf sichert Arbeitsplätze oder schafft sogar neue. Transportwege werden verkürzt und damit Ressourcenverbrauch und CO2 Ausstoss deutlich gesenkt. Regionale Wertschöpfung schont Natur und Umwelt.

Im Gegenzug erhält mein Projekt quartalsweise eine Spende. Die Höhe bestimme ich mit meinem Einkauf. Je größer meine Nachfrage nach regionalen Produkten und Dienstleistungen, desto größer der Förderbetrag für mein Projekt. Ein fairer Tausch.

Mikrofinanzierung | Leihen

Der Freitaler fördert nicht nur kreative Projekte, sondern Social Entrepreneurs und Start-ups im Bereich nachhaltiges Unternehmertum und Open Economy. Vergibt der Freitaler e.V. eigene Mikrokredite? Nicht wirklich. Der Freitaler arbeitet zusammen mit der Regios eG, einem zertifizierten Mikrofinanzinstitut, das wiederum mit Hilfe der GLS Bank Mikrokredite an klein- und mittelständische Unternehmen, Start-ups, Vereine und Freiberufler vergibt. Der Kreditgeber ist die GLS Bank. Der Freitaler e.V. tritt dabei ausschließlich als so genannter Kreditempfehler für die eigenen Mitglieder aus Freiburg und der Region auf.

Die Qualitätssicherung bei der Vergabe von Mikrokrediten übernimmt das Deutsche Mikrofinanzinstitut. Darüber hinaus partizipieren beim Aufbau der notwendigen Strukturen das Bundesarbeitsministerium, der Europäische Sozialfonds und das Bundeswirtschaftsministerium.

Nicht nur der Freitaler, sondern zahlreiche andere Regiogeld-Initiativen nehmen an der erfolgreichen Mikrofinanzierung teil. Darunter auch der Chiemgauer mit einem Kreditvolumen von 1.389.050,- Euro/Chiemgauer. Erfolgt die Auszahlung des Mikrokredits in Freitaler oder in einer der teilnehmenden Regionalwährungen, entfallen die Zinsen bei der Rückzahlung.

Regionales Zahlungsmittel | Tauschen

Der Freitaler kombiniert die Vorteile des Crowdfunding mit den Eigenschaften einer Regionalwährung – der soziale Aspekt wird durch einen wirtschatlichen ergänzt. Die Verwendung eines solchen Tauschmittels unterliegt einer geografischen Begrenzung. Der Freitaler zirkuliert nur innerhalb einer Region und erzeugt damit einen interessanten Nebeneffekt: Die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln, Produkten und Dienstleistungen steigt deutlich an, sobald das Netzwerk aus tatkräftigen Verbrauchern, die ihre Projekte fördern, eine gewisse Größe erreicht.

Der Wert, die Menge und der Zweck des Freitalers werden von den Mitgliedern des Netzwerks bestimmt. Das Netzwerk ist ein Verein. Die Vereinsstruktur ermöglicht eine schlanke, flexible und demokratische Organisation und Verwaltung des Netzwerks. Somit kann jedes Mitglied über die Förderung oder Gründung des eigenen Projektes eine nachhaltige Regionalentwicklung beschleunigen.

Die Gründung einer regionalen Genossenschaftsbank würde den Bereich Mikrofinanzierung deutlich erweitern und viel Potential freisetzen. Mehr dazu unter Vision.


Key facts: Schenken – revolutionäre Projektförderung, da Finanzierung unabhängig von Dritten erfolgt | Tauschen – Regionalwährung als Katalysator der regionalen Wertschöpfung | Leihen – zinsfreie Mikrofinanzierung als Förderung von Jungunternehmern


Wie funktioniert der Freitaler?

Gutschein

Der Freitaler ist ein vereinsinterner Gutschein. Der Wert eines Freitalers entspricht dem eines Euro. Der Gutschein kann nur bei Unternehmen eingelöst werden, die über eine Mitgliedschaft im Freitaler e.V. verfügen. Die Mitglieder des Vereins nutzen den Gutschein als Tauschmittel für gegenseitige Leistungen und langfristige Förderung.

Um den Zweck des Vereins – die Förderung des Gemeinwohls – verwirklichen zu können, ist der Freitaler mit besonderen Eigenschaften versehen. Da wäre zunächst einmal die Rücktauschgebühr, auch bekannt als Regionalbeitrag.

Regionalbeitrag 

Der Regionalbeitrag schafft praktische Anreize für Verbraucher, den Freitaler als Tauschmittel zu verwenden. Jeder Verbraucher kann als Mitglied ein eigenes Projekt unterstützen, indem er Freitaler eintauscht und damit einkauft.

Damit der Freitaler möglichst lange und ungehindert unter den Mitgliedern zirkulieren kann, ist der Rücktausch mit einer Gebühr belegt. Die beteiligten Unternehmen entrichten eine solche Rücktauschgebühr – momentan in Höhe von 2% – jedoch nur dann, wenn sie Freitaler in Euro zurücktauschen und damit den Kreislauf unterbrechen.

Die Einnahmen aus der Rücktauschgebühr werden alle drei Monate an teilnehmende Projekte in Form einer Spende ausgeschüttet. So behält der Verbraucher seine Kaufkraft zu 100%. Die Unternehmen freuen sich, wenn sie kreative Projekte aus der Region unterstützen können.

Fördermarke

Nimmt der Rücktausch ab, da immer mehr Unternehmen mitmachen und die Auswahl an Produkten und Dienstleistungen steigt, können die Spenden ganz bequem über die Fördermarke erzeugt werden. So kann jeder, der nach dem Quartalswechsel im Besitz von Freitalern ist, über die Fördermarke sein Projekt unterstützen. Es gibt sie in Form von Aufklebern. Jeder Schein – 1er und 2er ausgenommen – enthält auf der Rückseite insgesamt 8 Felder, die jeweils ein Quartal darstellen.

Es werden nur die Freitaler beklebt, die nach drei Monaten noch unter dem Kopfkissen oder in der Jackentasche schlummern – im übertragenden Sinne die "Schlaftaler". Wenn Verbraucher ihre Freitaler nicht bekleben und damit bezahlen, bestimmt der Unternehmer welches Projekt gefördert wird. Die entscheidende Frage lautet: Wer fördert? Der Reiz liegt in der Wahl des Projektes. Derjenige bestimmt das Projekt, der die Freitaler beklebt.

Der Verein möchte sicherstellen, dass nur Freitaler in Umlauf gebracht werden, mit denen das Gemeinwohl gefördert wird. Der Wert der einzelnen Scheine bleibt erhalten. Die Fördermarken erwerben die Mitglieder an den Ausgabestellen. 


Key facts: Gutschein im Wert von eins zu eins zum Euro | Regionalbeitrag als Spende an Projekte | Fördermarke sichert langfristig die Förderung und Zirkulation des Freitalers


Freitaler vs. Euro

Schuldenfrei

Der Freitaler soll keineswegs den Euro ersetzen, sondern ergänzen. Ein regionales Tauschmittel hat gegenüber dem Euro nichtsdestotrotz gewisse Vorteile. Der erste Vorteil liegt klar auf der Hand: Der Verbraucher fördert ein eigenes Projekt, sozusagen ganz nebenbei, beim Einkaufen. Doch das ist noch nicht alles. Da über die Förderbeträge vor allem soziale und kulturelle Einrichtungen begünstigt werden, kann ein regionales Tauschmittel zusätzlich die meist hoch verschuldeten Kommunen und Gemeinden entlasten. Die Regionalwährung Chiemgauer hat es mit einem Fördervolumen von über 250.000 Chiemgauer bereits eindrucksvoll vorgemacht.

Wertschöpfend

Je mehr Verbraucher ihren Nutzen wahrnehmen und Freitaler eintauschen, desto größer wird die Nachfrage bei den beteiligten Unternehmen. Neue Kunden werden gewonnen, die Stammkundschaft wird gebunden. Der Freitaler bündelt gewissermaßen die Kaufkraft in der Region. Neue Kunden erhöhen die Nachfrage, die wiederum bedient werden muss. Gestiegene Umsätze erlauben es den Unternehmen neue Arbeitsplätze zu schaffen oder bestehende langfristig zu erhalten. Anders als der Euro, wird der Freitaler zum Träger der regionalen Wertschöpfung und Prosperität.

Spekulationsfrei

Die Fördermarke garantiert die Zirkulation des Freitalers in der Realwirtschaft. Der positive Nebeneffekt: Freitaler verschwinden nicht unter dem Kopfkissen oder Hedgefonds in Übersee. Die ursprüngliche Funktion des Geldes als reines Tauschmittel nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein. Der Freitaler fungiert in diesem Sinne nicht als Wertaufbewahrungsmittel oder Spekulationsobjekt, sondern als ernstzunehmende Wirtschaftsförderung für die Region. Das produzierende Gewerbe wird belebt, der regionale Handel gestärkt.

Wertstabil

Der Wert des Freitalers ist aus praktischen Gründen vorerst an den Euro gekoppelt. Wenn die Vereinsmitglieder die Notwendigkeit sehen, kann der Freitaler vom Euro entkoppelt werden. Hierzu wird ein alternativer Wertmaßstab vom Vorstand des Vereins vorgestellt und von der Mitgliederversammlung verabschiedet. Ein solcher Mechanismus schützt den Freitaler vor starken Kursschwankungen des Euro oder einer unaufhaltsamen Inflation bis hin zum Zusammenbruch der Europäischen Währung.


Key facts: Bremst indirekt die Neuverschuldung, da vorhandenes Geld wieder in den Kreislauf eingespeist wird | Erhöht regionale Wertschöpfung | kein Spekulationsobjekt | Behält langfristig seinen Wert, da Kopplung flexibel